England feiert Ostern

Osterfest in England verbindet Traditionen und Brauchtum mit der Moderne

Wenn die jungen Lämmer über die Weiden springen und der würzige Duft frischer Kräuter in der milden Frühlingsluft liegt, werden Häuser geputzt und die Kirchen geschmückt, denn nun ist bald Ostern. Das Osterfest in England verbindet Traditionen und Brauchtum mit der Moderne. Während das Osterei seine Ursprünge in vorchristlicher Zeit hat, hüpft der Osterhase erst seit kurzem durch die englische Hügellandschaft. Es gibt dort aber auch Traditionen, die sich über mehrere Jahrhunderte entwickelt haben und bei uns weitgehend unbekannt sind.

Palmsonntag und Pax Cakes

Eine Woche vor Ostersonntag ist der Palmsonntag, der Tag an dem Jesus nach Jerusalem kam, um an den Passah-Feierlichkeiten teilzunehmen. Der Legende nach begrüßten ihn die Leute, indem sie auf der Straße Palmzweige als Teppich auslegten. In verschiedenen Teilen Großbritanniens werden zu diesem Anlass Prozessionen veranstaltet. Für die Feierlichkeiten werden aus Palmzweigen Girlanden geflochten und Kreuze geformt, mit denen dann die Kirchen geschmückt werden. Da in England nicht so viele Palmen wachsen, wurden als Ersatz häufig Weiden-, Haselnuss- oder Eibenzweige verwendet. In einigen Gegenden in England werden an Palmsonntag in der Kirche Pax Cakes ausgegeben. Diese Kuchen mit dem Bild eines Lammes oder der Aufschrift „Frieden und gute Nachbarschaft“ werden den Gemeindemitgliedern beim Verlassen der Kirche vom Priester übergeben. Diese Tradition wurde 1570 von einem lokalen Landbesitzer begründet und wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder belebt. Zu den Kuchen wird Apfelwein oder Bier getrunken.

Gründonnerstag – Maundy Thursday

Das Gebot der Nächstenliebe, das lateinische „Mandatum“ gab vermutlich diesem Tag seinen Namen. König Edward I. gab im 13. Jahrhundert als Teil des Gottesdienstes am Gründonnerstag Kleidung, Lebensmittel und Geld, das sogenannte „Maundy Money“, an Bedürftige. Während der Zeremonie wusch der König den Bedürftige auch die Füße in Anlehnung an das Ritual der Fußwaschung beim Abendmahl. Dieser traditionelle Gottesdienst, der Royal Maundy Service, existiert bis heute, wenn auch nicht mehr in seiner ursprünglichen Form. Wer erwartet, dass die Queen einem Begünstigten die Füße wäscht, wird enttäuscht.Die Fußwaschung gibt es seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr. Auch die Verteilung von Kleidung und Lebensmitteln findet heute nicht mehr statt. Stattdessen ist der Maundy Money, speziell für diesen Anlass geprägtes Geld, eine Auszeichnung für Menschen in Anerkennung ihrer Dienste für die Gemeinde. Die Anzahl der Begünstigten richtet sich jedes Jahr nach dem Alter des Monarchen.

Karfreitag – Good Friday

Am Trauertag, dem Tag der Kreuzigung von Jesus, werden kurz vor Mittag die Christen vor der Methodist Central Hall in Westminster vom Lord Mayor von Westminster begrüßt. Nach einer Ansprache des Kaplans wird ein hölzernes Kreuz in einem Schweigemarsch über die Victoria Street zur Westminster Abbey getragen, wo im Anschluss ein Gottesdienst abgehalten wird. An diesem Tag duftet es in allen Bäckereien nach frischen Brötchen – Hot Cross Buns. Das sind würzige Milchbrötchen mit Rosinen, die mit einem Kreuz verziert werden. Für die Christen symbolisiert dieses Kreuz ihren Glauben, für die Heiden das Sonnenrad. Im Widow´s Son Pub in Ostlondons Devons Road hängt über der Bar ein Netz mit Hot Cross Buns. Hinter diesem Netz steckt die Geschichte einer Witwe aus dem frühen 19. Jahrhundert, deren Cottage an der Stelle stand, wo heute das Pub steht. Ihr Sohn fuhr zur See und versprach ihr, an Ostern zurück zu sein. So buk sie am Karfreitag ein Brötchen. Aber sie wartete vergebens. Sie verlor jedoch nie die Hoffnung und buk jedes Jahr an Karfreitag ein Brötchen für ihren Sohn. Diese Brötchen sammelte sie bis sie starb. Der Pub führt diese Tradition fort und backt bis heute jede Jahr ein Hot Cross Bun, das in das Netz zu den anderen Brötchen gelegt wird. Seeleute aus dem ganzen Land kommen und singen für die Witwe. Jedes Jahr nimmt auch ein Soldat der Royal Navy an der Zeremonie teil.

Ostersonntag – Easter Day

Wie auch in Deutschland ist der Ostersonntag in England der Höhepunkt des Osterfestes. Ein typisches Ostergeschenk ist ein großes Schokoladenei. Ursprünglich bestand das Ostergeschenk aus Vogeleiern, die in hellen Farben angemalt wurden. Edward I. lies im Jahre 1290 450 Eier anmalen und verteilen. Mit der Verbreitung von Schokolade im 20. Jahrhundert verwandelten sich die Vogeleier in Schokoladeneier. Im Laufe der Zeit sind die Eier gewachsen und haben heute eher die Größe eines Straußeneis. Für die Ostereier-Jagd werden Schokoeier versteckt, die von den Kindern gesucht werden. Seit einigen Jahren wird das Verstecken vom Osterhasen, oder hier dem Kaninchen (Easter-Bunny), übernommen. Der Hase ist keine englische Tradition, sondern deutscher Einwanderer. Der Brauch, Osterwasser zu holen, ist in Großbritannien ebenso bekannt wie bei uns. Weniger bekannt bei uns ist allerdings der Brauch, Weidenkätzchenzweige zu sammeln und sich damit gegenseitig zu berühren. Das soll für das nächste Jahr Glück bringen. An der Südseite der Themse im Battersea Park findet jedes Jahr Londons berühmteste Ostersonntags-Parade statt. Jedes Jahr wird eine große Ostereiersuche organisiert. Am Nachmittag gegen 15 Uhr findet ein Festumzug statt. Im Jahr 1858 nahm Königin Victoria an der Parade teil und präsentierte dabei ihr neues Frühlingskleid und eine passende Frühlingshaube. Seitdem ist es Tradition, dass Frauen und Mädchen jedes Jahr ihre teilweise handgemachten Frühlingshauben zur Osterparade in Battersea tragen.

Ostermontag – Bright Monday

Am Ostermontag, der nicht mehr als religiöser, christlicher Feiertag gilt, finden traditionelle Spiele statt. Vielerorts gibt es Ostereier-Roll-Wettbewerbe. Diese Tradition der Egg Rolling Competitions reicht weit zurück in die vorchristliche Zeit, als die Tag- und Nachtgleiche gefeiert wurde. Auch in einigen Regionen Deutschlands wird dieser Brauch noch gelebt. Das Ei, Symbol für Fruchtbarkeit und Neubeginn, wird dafür hart gekocht, gefärbt und dann Hügel hinunter gerollt. Gewinner ist, wessen Ei am weitesten rollt, am längsten heil bleibt oder durch ein Tor rollt. Ein anderes Spiel ist Egg tapping. Dabei wird ein hart gekochtes Ei gegen das eines Gegners getippt. Derjenige, dessen Ei heil bleibt, hat gewonnen.

Was wird zu Ostern in England gegessen?

Am Karfreitag wird als Hauptspeise traditionell Fisch gegessen. Am Ostersonntag, dem wichtigsten Feiertag, wird wie an Weihnachten festlich getafelt. Zum Frühstück gibt es an Ostersonntag gekochte Eier. Danach werden Osterkarten und Geschenke getauscht. Der traditionelle Festtagsbraten besteht aus Lammfleisch. Er wird mit Minzesoße und frischem Gemüse serviert. Die Nachspeise, der Osterpudding, ist eine Vanillepudding-Torte, die mit Korinthen und Osterkeksen bestreut ist. Für den Tee wird Simnel-Kuchen gebacken. Das ist ein reicher Früchtekuchen mit einer dicken Marzipanschicht und einem Marzipankern. Elf Marzipankugeln werden im Kreis auf den Kuchen gelegt. Sie stellen die Apostel ohne Judas dar.

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Veröffentlicht von Gourmet Magazin

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